Erste Schritte

Mühle Meiningen 2006-2007

 
Juli 2006: Start frei, auf in die Schlacht! Was man hier braucht, ist ein Plan! Daher zuerst  einmal Gelände mähen damit man sieht wo man hin, oder besser nicht hinein tritt. Dann mal auf die schnelle mit einem Katasterplan geschaut wo denn die  Grenzsteine liegen oder besser liegen könnten, dann das Gelände kurz  nivelliert, das war`s. Auf Grundlage der ersten Erfassung des Areals entstand  der nachfolgende Entwurf:

Schon hier wurde uns klar, das wird etwas Größeres und das muss schlüssig sein, sonst wird das nichts mit dem Zeitplan. Zum Glück gibt es Internet. Auf Google-Earth gibt es noch die erste Aufnahme, so war erkennbar von welchem Einzugsgebiet unser „Bächlein“ und die Quellen gespeist werden – dachten wir.

August 2006: Wir stöbern in verschiedenen Archiven, suchen im Katasteramt, lesen Chroniken und versuchen möglichst viel über die Geschichte des Areals zu erfahren. Eine Reise in die Vergangenheit! Das führt dazu, dass wir auch sonst in Meiningen mehr über einige Dinge wissen als manch ein alteingesessene Bürger der Stadt. Man sichtet einfach die gesamten einsehbaren Unterlagen geschichtlicher und technischer Arsenale. Erzählen wir hier Vorbeikommenden etwas von Mühlen, werden wir schon manchmal ungläubig angeschaut, denn hier kennt jeder nur die Färberei Blitz, die man zu DDR-Zeiten hier fand.

September 2006: Die Kaufvollzugsmeldung des Notars macht uns zu eingetragenen Besitzern. Die ersten Gespräche mit der Stadt und der Unteren Wasserbehörde werden geführt, wir möchten das Projekt ja mit den Behörden abstimmen. „Mit uns stimmt man nichts ab!“ so ein Mitarbeiter eines Amtes. Hier bekommen wir auch erste Informationen was in dem Areal „abläuft“. Wir bekommen den Hinweis, ein Nachbar sei noch nicht an den Abwasserkanal angeschlossen, der habe noch eine Kleinkläranlage. Wir hatten natürlich ziemlich genaue Vorstellungen wie Kleinkläranlagen seit den 60er Jahren aussehen und wie sie jetzt sein müssten, deshalb waren wir nicht „geschockt“, aber über die tatsächlichen, bekannten Zustände hat man uns nicht aufgeklärt.

Zwischenzeitlich hatten wir unsere Planung weiter entwickelt.

Rückblick:

Wir waren der Meinung Umweltschutz sei hier in den Köpfen der Menschen verankert. Wir hatten als Heranwachsende auch im DDR-Fernsehen gesehen, was die DDR für ein Vorzeigestaat in Sachen Umweltschutz sei (wir hatten seit 1965 Programmempfang auf fränkischer Seite). Und Eduard von Schnitzler hatte im „Schwarzen Kanal“ die BRD immer, auch in Sachen Umweltschutz „angeprangert“, Wir kamen uns oft vor, als wenn wir in der BRD der schlimmsten Umweltsünder in Europa seien. Wir waren ja von Che-Guevara und den 67er Stundentenrevolten geprägt, und das was „Eddi“ da von sich gab, passte in unser geistiges Weltbild in Sachen Frieden und Umweltschutz. Was Propaganda nicht alles in den Köpfen der Menschen anrichten kann!!!

Realität:

Auf städtischen Behörden bekommen wir zu hören: „Wer braucht denn heute noch saubere Quellen“. Die Wasserbehörde erklärte uns, dass die seit Hunderten von Jahren als „Quellen im Dreißigackerer Grund“ bezeichneten Wasserläufe keine Quellen sind!(?), sondern nur Wasser, das aus einem Spaltauslauf zu einer Höhle herausläuft und dass es sich beim Auslauf der Kreuzbergquelle um eine Intermittierende Quelle handle. (Nach unserem Wissen ist es aber eine Perennierende Quelle, denn nach unseren Recherchen ist das in Meiningen die einzige Quelle die noch nie versiegt ist.) – also stimmt doch, was die Quellen aussagen?!

In Behörden hieß es: „Na ja, wenn es stark regnet, dann läuft der Bach von Dreißigacker kommend. Wenn das Regenrückhaltebecken (2 km oberhalb bei Dreißigacker) überläuft, nimmt die Wassermenge zu…“. Man sprach von Regenwasser!!! Wie sich später herausstellte war das aber sprichwörtlich nur „die halbe Wahrheit“. Hier läuft einiges ab, das man sich, wenn man aus Bayern kommt, in seinen schlimmsten Alpträumen nicht vorstellen mag. Wir lebten schließlich im Jahr 2006, siebzehn Jahre nach der Wende.

Ein weiterer Beamter aus der Wasserbehörde erklärte uns: „Denken Sie daran, die Menschen hier sehen Bäche und Flüsse immer noch als zweiten Entsorgungsweg!?“

Unmittelbar an unserer Grundstücksgrenze sind auf einem Nachbargrundstück zwei offene Betonrohe zu sehen. Wir dachten an Regenwasserzisternen. Weit gefehlt! Das sei seine Kläranlage, meinte der Nachbar! So sieht`s aus! Nun sind zwei Nachbarn ohne Kanalanschluss. Die Behörden sind hier offensichtlich nicht im Bilde was wohin abläuft. Wir entschließen uns, für die Nachbarn einen Schmutzwasserkanal zu errichten, denn wir möchten die Quellen von Schadstoffeinträgen befreien. Wir hatten ja die Vorstellung, eines Tages im Mühlsee zu schwimmen. Wir erklären den Behörden auch, dass wir hier den Deutschen Edelkrebs und die Bachmuschel einsetzen möchten, denn  wir hatten zu diesem Zeitpunkt bereits in Erfahrung gebracht, dass auch heute noch ein Teil der Städt. Brunnen aus der „Quelle aus dem Spaltauslauf“ gespeist werden. Daraus leitet sich ab, dass hier an den Quellen sauberstes Wasser gegeben ist.

Auf den Straßenverkehr angesprochen klärt uns eine städtische Bauamtsmitarbeiterin auf, dass die Dreißigackerer Straße bald zur Anliegerstaße umgewidmet wird – auf jeden Fall zur Einbahnstraße erklärt wird – wegen der ständigen Straßensetzungen an der Talseite und dass es nur noch ein kleines Problem mit der neu gebauten Umgehungsstrasse zum Gewerbegebiet Dreißigacker gäbe!

Aus heutiger Sicht: Der Verkehr hat zugenommen. Dank Navi versucht nachts um 23:00 selbst ein Schwertransport mit dem Teil eines Windkraftwerks hoch nach Dreißigacker zu fahren, kommt aber nicht um die Kurven und muss dann den Rückwärtsgang einlegen. Aber es interessiert die Obrigkeit nicht, was hier wann fährt.

Mann, was waren wir in Sachen Ehrlichkeit leichtgläubig! Uns gegenüber wurde/wird geflunkert und gelogen dass sich die Balken biegen – leider auf allen Ebenen. Wir müssen leider noch oft auf dieses Thema zurück kommen.

Oktober 2006: Wir reichen die Planungsunterlagen ein.

November 2006: Uns ist klar geworden, mit Schaufel und Spaten wird das nichts. Hier braucht man einige Baumaschinen und Material.

Dank Internet gelingt es uns in Mecklenburg Vorpommern einen Minibagger zu kaufen. Der Witz an der Geschichte: Drei Jungs hatten den Bagger in Bayern gekauft und wollten ihn herrichten – zwischenzeitlich hatten sich aber Eichhörnchen einquartiert und der Bagger, der in Neustadt a.d.Aisch, also in Franken gebaut wurde, erinnerte diese drei immer mehr an den Gedanken, dass die Arbeit wächst… Die Herstellerfirma besteht auch heute noch, also kauften wir den Bagger.

Dank Internet konnten wir auch Bücher von Antiquariaten und Privatleuten kaufen, um noch mehr über Meiningen und seine Geschichte in Erfahrung zu bringen, immer in der Hoffnung auch mehr über die Mühlen im Dreißigackerer Grund zu erfahren. Dabei stößt man zwangsläufig auch auf Geschichten alter Handwerksberufe und bekommt einen breiten Einblick auf geschichtliche Zusammenhänge.

Dank Internet konnten wir auch Unmengen an Baumaterial günstig erwerben und sahen uns veranlasst, einen alten LKW zu kaufen, denn die Kosten für Abtransport für Schutt und Alteisen waren ebenso unbezahlbar. An der Deponie wurden wir gefragt, ob wir denn den Müll von Bamberg nach Meiningen fahren würden und durften einen horrenden Preis zahlen. (Die Zulassungsstelle verweigerte eine Ummeldung, da wir hier noch nicht mit Erstwohnsitz gemeldet sind…)

Hier in Meiningen einzukaufen – mit Kennzeichen BA – konnten und wollten wir uns im wahrsten Sinne „nicht leisten“. „Warum geht ihr denn net zur BayWa?“ „Wir verkaufen nix!“; „Wessi go home“; „Scheiß Wessi“ – Wir könnten noch weiter machen mit dem was wir uns in dieser Zeit an den Kopf geworfen wurde. Nachlässe bekamen wir schon gar nicht. – Wirtschaftsaufschwung Ost?!

Aber Aufhören ist nicht unser Ding! Wenn wir etwas anfangen, bringen wir es zu Ende!

Aber es gab auch erste positive Reaktionen: Eine Fußgängerin meinte: „Ach ist das schön, dass hier mal einer aufräumt und Ordnung macht! Man hat immer ein Unbehagen wenn man hier vorbeiläuft!

Erfahrung ist der beste Koch!  

„Mann“ soll den Dingen auf den Grund gehen. Der Wahlspruch eines einstiger Chefs war: „Dem Inscheniör is nix zu schwör“ und „Wer schreibt, der bleibt“ Unsere Devise: im digitalen Zeitalter: „alles dokumentieren!“  alle Vorgänge werden von uns auf Bilder und Videos zum Nachweis archiviert. Das ist zusätzliche Arbeit, aber die Erfahrung lehrt, dass nur so alles nachvollziehbar und belegbar wird, man weiß ja nie, was kommt.

Bei der ersten Objektplanung sind wir davon ausgegangen eine Hochwasserleitung DN300 zu bauen, so können wir während der Bauphase der Bachsanierung trockenen Fußes arbeiten; kommt Schmelzwasser oder Überwasser, kann die Leitung einen Teil des Wassers unterirdisch ableiten, bei 10% Gefälle ist das eine ganz schöne Menge. Aber erstens kommt es anders, als zweitens als man denkt.

Wir kamen nur sporadisch vorbei, müssen aber feststellen, dass auf unserem Grundstück weiterhin Müll verbrannt und abgelagert wird.

Das nachfolgende Bild lässt schon erkennen, dass hier etwas passiert:

Hier ist die Infrastruktur und Materiallogistik sorgfältig zu bedenken. Es ist aufgrund der Geländesituation unendlich schwer, einen Platz zu finden, um überhaupt Baumaterial zu lagern und es so zu lagern, dass es sich nicht verdoppelt oder morgen bereits wieder versetzt werden muss. Das Gelände besteht nur aus aufgeschütteten Bauschutthalden und bis 3,5m tiefen Gräben, steil abfallenden Böschungen und Bäume, die noch gefällt werden müssen.

Platz wäre genug, wenn hier nicht der 8-10m breite Graben wäre. Man kann sich nicht vorstellen, dass wir allein aus diesem Abschnitt fast 5t Alteisen, Rohre, Stahlträger, Autoteile… entsorgt haben. Weitere 2-3t an Haushaltsmüll, Teppiche, Fenster-/Glas – und ein toter Hund in einem gelben Sack – mehr als man sich vorstellen kann.

Dezember 2006: Übermut tut selten gut. Bei unserer letzten Stippvisite, sehe ich einen großen Stein, der mitten im Bachbett zum Vorschein kommt. Zwischenzeitlich ist die Brunnenleitung abgesperrt und die Wassermenge im Bach ist erheblich gestiegen. Beim Versuch, den Stein mit einem Ruck an die Seite zu bringen, bricht einer meiner beiden alten, verheilten Bandscheibenvorfälle auf. Jetzt war für vier Wochen Pause angesagt.

2007 – Arbeit macht das Leben süß und ohne Moos nix los – 

Zwei Redewendungen, die auf dieses Jahr passen, wie die Faust auf’s Auge, denn dieses Projekt wird arbeits- und kostenintensiv sein, aber das war uns klar. Immerhin hatten wir bereits fast 500 Std. hier gearbeitet und hatten es noch nicht einmal geschafft, das Grundstück vom sichtbaren  Müll und Abfall zu befreien.

Januar 2007: Mitte Januar waren wir wieder hier und waren erstaunt, wie viel Wasser das Bächlein noch immer führte – wir hatten in diesem Winter ja keinen Schnee gesehen. Umso überraschter waren wir, dass das Wasser einen anderen Weg gefunden hatte. Wir hatten im Dezember 2006 ca. 2000 Vollziegelsteine aus dem Bachbett vor der Wasserwelle heraus geschafft und aufgestapelt und nun verschwand der Bach in genau diesem Bereich in einem Spalt im Untergrund. Das ließ den Schluss zu, dass es hier noch einen weiteren „Tunnelbereich“ gibt. Die Bachsohle liegt noch 1,5 m tiefer, aber das stellten wir erst zwei Jahre später fest. 

Die Frage ist, wann ist die Bachsohle erreicht? Ganz einfach, wenn man 20cm tief gräbt und keinen Schutt mehr findet. Aus dem Bereich des nachfolgenden Bildes hatten wir außer Ziegelsteinen auch noch ca. 2 to. übelsten Müll und Abfall (Auto- und LKW-Batterien, Ölkanister, Karosserieteile, Autoachsen, Bügeleisen, 3 Mülltonnen voll Glasscherben, Unmengen an Drahtglasscheiben usw.) entsorgt. Da wir das Ganze vorschriftsmäßig an der Deponie entsorgten durften wir zahlen, zahlen, zahlen.

Was geht in den Köpfen der Leute vor, wenn sie so etwas an einem Bach anrichten? Wo bleiben die Behörden? Umweltschutz ist hier noch ein Fremdwort.

Augenscheinlich nichts zu tun, heißt aber nicht, dass wir nichts tun. Da die Baugenehmigung noch aus stand, stellten wir weitergehende Nachforschungen über dieses Areal an. Hatten wir noch im Rahmen der Baueingabe ein Pultdachgebäude angedacht, so reifte bei uns der Entschluss auf diesem städtebaulich, historischen Grund ein würdiges Gebäude entstehen zu lassen. Hier begannen erste Planungen für den Nachbau eines historischen Gebäudes in traditioneller Holzbauweise unter zeitgemäßen Gesichtspunkten nachhaltigen Bauens.

März 2007: Wenn man den Durchgang bereinigen will, setzt das voraus, dass natürlich unterlaufseitig das Wasser abfließen kann. Hier quert eine Wasserleitung das Bachbett. Die Stadt hat mit Wasser nicht viel im Sinn – mit Unterhaltsarbeiten noch weniger. Anders ist nicht zu erklären, dass ein Bach so ausschaut. Uns bleibt nichts anderes übrig, als unentwegt, immer wieder den Bach abzugehen – am Ende sind es 70 m – um Schutt, Abfall und Steine aus dem Bachbett heraus zu nehmen, damit auch hier irgendwann die Bachsohle erreicht wird. Von den meisten werden wir nur mitleidig belächelt.

April 2007: Im Dezember 2006 war ja ein weiteres Teil der Bachmauer auf unserem Grundstück eingestürzt. Das hatten wir auch der Unteren Wasserbehörde gemeldet. Positiv! Bereits im April trudelte die Baugenehmigung ins Haus. Somit stand einem Beginn der Sanierungsarbeiten im Bachbereich nichts mehr im Wege, aber…

Mai bis Ende 2007: hatten wir aus beruflichen Gründen kaum Zeit hier zu arbeiten und dann geschieht das, was eigentlich sehr demotivierend ist – das Spiel beginnt fast wieder von vorne. Immerhin: Wir hatten das Grundstück „gelichtet“, alte Mauern frei gelegt, tonnenweise wieder verwertbare Natursteine ausgegraben (wir werden ca. 3.000 t Steine benötigen – die ersten 50 t liegen schon da), ziemliche Mengen an Material gekauft und gestapelt. Da das Grundstück noch immer nur aus Gräben und Böschungen bestand, mussten wir alles Material ziemlich weit und über Stock und Stein tragen – so wie den Müll auf dem umgekehrten Wege. Befahrbar war das Grundstück im Zufahrtsbereich ca. 20m bei einer Gesamtlänge von 120m, mit 10 m Höhendifferenz.

November 2007: Wir kamen wieder im November, um nach dem Rechten zu sehen, da war der Tank unseres LKWs offen und leer, die Türe am Koffer aufgebrochen, beim Bagger ein Hydraulikschlauch durchschnitten und die Batterie fehlte. Am LKW war weitere Beschädigungen, wie z.B. war die Saugvorrichtung zerstört. Warum machen Menschen so etwas?

Dezember 2007: Inzwischen hatten wir klare Vorstellungen, wie das Gebäude aussehen soll und konstruiert werden kann, hatten wir doch das Glück, ein großes Kontingent massiver, alter Holzbalken zu erwerben. In der Vorweihnachtszeit bastelten wir ein Modell des angedachten Mühlengebäudes. Hier ist ein erfahrener Statiker von Nöten. So kreuzten sich wieder die Wege mit meinem Freund Günther Strätz, der eine Prüfstatikerzulassung für Thüringen hat.

Ohne Moos nix los!?Traurig, aber wahr: Als Selbständiger arbeitet man ja selbst und ständig, aber aus Sicht der Banken „hat man kein geregeltes Einkommen“, deshalb bekommen wir keinen Kredit, also müssen wir das gesamte Projekt „aus der Hosentasche“ finanzieren. Fördergelder – Fehlanzeige! Wir reichen keinen Antrag ein, denn hier ist nichts mehr, das geschützt werden muss und das was wir zutage fördern, wird nicht gefördert – nein, das kostet Geld an der Deponie; mit BA-Kennzeichen noch etwas mehr.  

Aber der liebe Gott meinte es in diesem Jahr wirklich gut mit uns – wir hatten jede Menge Planungsaufträge und waren in Punkto Bauleitungen viel unterwegs – und so konnten wir sorgenfrei in das kommende Jahr blicken.